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paris - bamako - ouagadougou

phew...WAS fuer ein trip. eine kalte, klamme nacht im bus nach paris..mit sack und pack verspannt und unausgeschlafen durch die metro, samt reiserucksack eingeklemmt zwischen mieslaunigen berufspendlern..endlich orly, endlich pause - dann die info der flug sei 6 std verspaetet :(
nerven liegen saemtlich blank, als es nach weiteren 6 std warten und erst AM GATE unmittelbar vor dem erhofften einstieg heisst, der flug sei auf den folgetag verschoben. also auschecken, passkontrolle, zurueck ins hotel..heulende kinder, ueberforderte touris, achselzuckende burkinabé: "ben oui, c'est ça voyager à l'africaine!"
irgendwann siegt die kapitulation angesichts der unbeeinflussbaren lage, und bakary, ein 30-jaehriger perkussionist aus ouaga, hat laengst seine neue gitarre ausgepackt..sein onkel lebt in mali und komponiert dort sehnsuechtig-warme musik, die bakary uns ja ohnehin gern noch zeigen wollte. also sitze ich, ein dickes blubberndes baby von einer mueden burkinabé auf dem arm neben ihm am boden und summe und singe, und langsam ist erstmals alles besser.
am spaeteren abend dann treffen mit hervé, dem stationsleiter von air burkina, der sehr quasselfreudig und angenehm ist, und angenehm sind natuerlich auch die diversen panachés, die die hotelbar hergibt zu spaeter stunde :)
morgens dann endlich doch der flug, und die zeit vergeht mit bakary neben mir, der aus seinem so anderen fernen fremden leben erzaehlt, erstaunlich schnell. zur grossen begeisterung aller beteiligten landen wir zunaechst in bamako. von mali habe ich schon lange getrauemt, und doch moechte ich jetzt schnell weiter, aufbrechen, nach ouagadougou, wo meine familie auf mich wartet..nach transit um umstieg sitze ich in einer kleinen maschine neben clément aus paris, den ich vom vortag kenne, und der nach einer traurigen liebesgeschichte nun seit 14 monaten unterwegs ist, alleine, quer durch die welt, und viel ueber seine reisen, die einsamkeit und die rueckkehr zum anfang erzaehlt. "...je me suis demandé: où est la vie? ...et je suis parti pour retrouver le bonheur.." .. vieles ueber mich und mein wesen scheint ihm direkt klar, nachdem er mich am vortag lange hat beobachten koennen, und ich bin erstaunt und erfreut ueber so viel offenheit und einblick von einem fremden. zum abschied in ouaga: "..tout est là, tout est possible.. sois heureuse!"
am flughafen in ouagadougou spiel und spass mit stoisch-tumben grenzpolizisten, die sich erst mit strengerem ton zur herausgabe der visa-application forms bewegen lassen. zum glueck habe ich die noetigen 2 passfotos dabei - um diese auf die richtige groesse zu bringen gibt es extra einen beamten, dessen aufgabe darin besteht, die eine und einzige schere zu betreuen und zu bedienen. pflichtbewusst macht er sich also daran, saemtliche einkassierte fotos um gefuehlte 0,8 mm zu korrigieren, damit sie auf dem unformatierten gruenen formular ihren korrekten platz finden. herzergreifend, diese ernsthaftigkeit und pflichtbewusste serioesitaet in der ausuebung dieser null-taetigkeit :)
schliesslich laesst man mich passieren, bakary und die anderen habe ich im gedraenge leider verloren, aber mein rucksack kommt sofort und schon hoere ich tantie irène hell und laut meinen namen rufen. und endlich ist sie da: gross, warm, wild, wie ueblich diverse dienstbare geister im gefolge.. es ist heiss, aber trocken, beim herausgehen aus dem flughafengebaeude schlaegt mir ein sandiger wind entgegen, und ich hatte es mir genau so und doch ganz anders vorgestellt. das klima ist anders als in ghana, auch die menschen sehen anders aus, laufen lachen sprechen anders..und doch ist es wie nach hause kommen angesichts der waerme, der bekannten gerueche, und tantie irène auf dem beifahrersitz, laut quasselnd an 2 verschiedenen telefonen, die sie aus ihrer riesigen tasche hervorgeholt hat.
statt nach hause fahren wir erst zu einem der diversen jugendzentren in ouaga, wo derzeit die proben fuer ein anstehendes spectacle de danse stattfinden. das zentrum ist ein flacher bau auf einer kleinen anhoehe, mit einem grossen vorplatz und vielen fluegeltueren, durch die etwas luft und licht in den raum stroemen kann. innen tanzen um die 50 junge maenner und frauen mit nackten fuessen zu lauter musik. verschwitzt und imposant toben sie in perfekter einheit in grossen gruppen quer durch die halle, und die choreografie laesst sofort irènes handschrift erkennen, modern aber mit roots, fantasievoll und vertraeumt, dann aber wieder wild und geladen. ich bin begeistert und froh hier zu sein. schliesslich sind die taenzer erschoepft und tantie entlaesst sie nach einem letzten durchgang nach draussen in den hof. dort werden getraenke aus einem grossen bottich geteilt, fuer uns gibt es brakara, eines der lokalen biere. die hitze und das bier legen einen weichzeichner ueber meine umwelt, und als schliesslich im hof holzbaenke zusammengetragen werden, habe ich nicht einmal mitbekommen, wofuer. alle taenzer und helfer des zentrums sitzen in grosser runde, die fluegeltueren des zentrums wurden geschlossen, um erst im letzten moment preiszugeben, was nun beginnt: eine gruppe von 5 jungen kongolesen mit schmalen, aber fast mannshohen trommeln stuermt ploetzlich aus den tueren und formiert sich auf dem hof. die rhythmen wechseln schnell, aber die jungs sind perfekt aufeinander abgestimmt und tanzen mit den seltsam grossen, am koerper festgebundenen trommeln zu ihrer eigenen musik nach einer fein komponierten choreografie. es ist eine wahre freude, und das publikum ist begeistert. am ende gibt es schallenden applaus fuer die stolz-erleichterten musiker, die sich mit diesem auftritt bei meiner tante um ein zukuenftiges engagement in einem ihrer spectacles bewerben wollten. wie sie mir auf dem rueckweg nach hause erzaehlt, sind die jungs aus dem kongo hierher gefluechtet, und versuchen nun hier ihr glueck und eine zukunft zu finden.
"zuhause", das ist ein grosses haus mit knallbunt gestrichener aussenmauer, in dessen garten neben 2 hunden und einer riesenschildkroete auch ein kleiner alligator und 2 pferde (!) leben. der streichelzoo bleibt ohne erklaerung, also konzentriere ich mich auf zalisa, meine kleine cousine, die inzwischen 3 jahre alt ist und vor 2 jahren in paris ja noch ein baby war..jetzt aber kommt sie in rosa unterhose mit unzaehligen kleinen zoepfen, auf staemmigen kleinen beinen auf uns zugerannt und ist sich nicht ganz sicher ob ich ihr eigentlich ganz geheuer bin :) nachdem sie mir die hitzepickel auf ihren armen gezeigt hat, rennt sie dann doch lieber zurueck ins haus, immer dicht gefolgt von den hunden, die sie (noch) ueberragen..
nachdem ich mein riesiges zimmer bezogen habe, kommt schon der erste besuch: eine prozession von dicken tanten laeuft im wohnzimmer ein, und ich habe angesichts ihrer herzlichen freude keine zeit mehr, ueberfordert zu sein: schon werde ich geherzt, gedrueckt, gekniffen und gemustert, und schliesslich erkenne ich auch irènes grosse schwester, die ich vor 2 jahren in paris kennengelernt hatte. stark und mutig hatte sie sich damals als knochenmark-spenderin fuer ihren todkranken bruder zur verfuegung gestellt, und maite und ich hatten ihr damals die taeglichen injektionen verabreicht...wie lange ist das her, und es ist uns beiden eine freude, uns jetzt hier wiederzusehen. schliesslich tauchen auch tam-sir und jean-baptiste auf, mein cousin und onkel, die ich seit paris nicht gesehen hatte. es gibt mango-eis und "flag"-bier und um 10 schlafe ich auf dem wohnzimmerboden ein.

Posted by mefia 07:37 Archived in Burkina Faso

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