A Travellerspoint blog

Ouaga life

42 °C

Das haus erwacht sehr frueh zum leben jeden morgen, die waechter machen die autos sauber, die papageien im garten zirpen vor meinem fenster, zalissa tapert plappernd an meiner offenen zimmertuer vorbei, onkel jean-baptiste spaziert ueber den kiesweg zu seiner thunfischdose von einem auto, dass ihn -gott weiss wie- jeden tag sicher zur arbeit bringt.... zum fruehstueck gibt es frisches, warmes brot, dass madina aus dem ofen holt. ohnehin ist es bereits morgens so heiss, dass man nicht ruhig liegenbleiben kann, und weil mir auch das brot unter diesen umstaenden zu warm und zu viel ist, gibt es eben mano-eis zum fruehstueck.
gegen halb 9 nimmt irène mich mit ins buero, wo ich die frauen kennenlerne, die fuer sie die organisation und koordination ihrer diversen projekte uebernehmen. sie sind saemtlich sehr nett, sehr gebildet und beunruhigend frisch zu derart nachtschlafener zeit :) Auf dem weg ins buero haben wir zalissah in der vorschule abgesetzt, ein gut bewachter kleiner bau mit grossem spielplatz und eigener "buecherei", wo die kinder buecher mit wenig text und dicken seiten aus pappe ausleihen duerfen :)
endlich taucht auch tiziana auf, zalissas mutter und frau meines in paris verstorbenen onkels eddie, die ich ebenfalls seit paris nicht mehr gesehen hatte. die freue ist ebenso gross wie kurz, denn es gilt zeitnah meinen am flughafen deponierten pass mitsamt dem beantragten kurzvisum abzuholen.. Dort angekommen geht der ringelrein mit meinen lieblings-grenzlern in die zweite runde: na also dass ich KEINE franzoesin bin haette ich aber nun WIRKLICH vorher sagen muessen (nicht dass ich die spalte "nationalitaet" auf dem antragsformular nicht ausgefuellt haette..), also DAS konnte ja nun keiner ahnen... na und unter DEN umstaenden ist das bereits ausgestellte (!) visum natuerlich ungueltig und ueberhaupt... Die Begeisterung ist ganz mein, und nach einer hitzigen diskussion um meine nationalitaet ("auf dem formular STEHT doch, dass ich keine franzoesin bin!...ausserdem ist das doch ein DEUTSCHER pass!" "-aber Sie haben doch franzoesisch GESPROCHEN!" "??!??!!!" usw..) ist dann endlich auch der pass samt visum wieder in meinem besitz. Zum mittagessen fahren wir auf kleinen umwegen durch die stadt nach hause, und unterwegs rauschen die alten lieblingsplaetze meines vaters an mir vorbei. In seiner jugend hatte er hier oft die ferien verbracht, und so scheinen unzaehlige strassen, ecken, plaetze von alten erinnerungen gefaerbt, von denen tantie irène angeregt und begeistert erzaehlt. zum abschluss der stadtrundfahrt statten wir irènes mutter einen besuch ab, natuerlich ist sie nicht zu hause, dafuer aber in ihrer lieblingsbar anzutreffen, wo sie mit ihren freundinnen jeden mittag ein kuehles bier auf das leben trinkt :)
Ouagadougou ist, insbesondere im vergleich zu accra, sehr trocken und staubig, auch ist deutlich sichtbar dass burkina faso ein aermeres land als ghana ist. die gerueche und die handgemalten werbeplakate und strassenschilder erinnern mich sehr an zu hause, und doch ist das strassenbild ein ganz anderes. auch hier gibt es viel verkehr und entsprechend viel staub und smog, den grossteil des verkehrsaufkommens machen hier aber motorraeder und roller aus, auch fahrraeder sieht man hier recht oft. erstaunlich fuer mich: wirklich JEDER faehrt "moto", schicke damen in high heels, junge maenner mit halsbrecherischem fahrstil, dicke alte markt-mamas in traditionellem gewand, auch ist das moto ein transportvehikel das bis zur maximalen belastbarkeit seiner teile beladen wird.
Am nachmittag darf ich irène zu einer generalprobe ins "CDC" (centre de developpment choréographique) begleiten, wo ein befreundeter taenzer und choreograph ihr sein selbstkomponiertes solo kurz vor der erstauffuehrung nochmal zeigen moechte. das stueck ist minimalistisch, schwarze buehne mit grellrotem pfeiler in der mitte, ein haufen lehmsteine, der besagte taenzer und eine kleine drahtige saengerin aus abidjan, die dem ganzen spektakel mit ihrem kehligen, erdigen, sehnsuechtigen gesang einen fast beunruhigenden rahmen gibt. der taenzer, salia, tanzt sich in den kommenden 45 minuten ungeachtet seines etwas fortgeschrittenen alters buchstaeblich die seele aus dem leib, und die zerrissenheit und verzweiflung die er hervortanzt sind derart greifbar, dass es die grenzen des ertraeglichen mitunter nahezu sprengt. Am ende sind alle anwesenden begeistert, ueberwaeltigt, aufgewuehlt - und irgendwie fast froh, dass es vorbei ist.
Auf dem nachhauseweg halten wir an einem Centre de Musique, ein grosses areal mit bar, konzertbuehne und 3 kleinen separaten haeuschen, in denen sich jeweils erstaunlich gut ausgestattete proberaeume fuer lokale bands und musiker befinden. ebensolche sitzen bei diversen bieren und lautem gespraech im barbereich, und beim naeherkommen erkenne ich bill, den saenger und gitarristen der band die das anstehende spectacle meiner tante vertonen wird. es bleibt genau zeit fuer ein paar biere und amuesante anekdoten aus dem tour-leben der anwesenden musiker, die allesamt regelmaessig in europa unterwegs sind. dann ist es zeit fuer die musik, und so versammelt sich der trupp in einem der proberaeume. die musik bewegt sich hart an der grenze zwischen gehaltvoll-traditionell und haarstraeubend-poppig, aber irgendwie bewegt sie mich doch und es ist dann fast schade, als wir noch vor ende der probe wieder losmuessen. Aber ich soll ja noch tantie irènes restaurant besichtigen, das "wakatti", mit seiner grossen gartenanlage, dem kinderspielplatz und dem swimmingpool. bei rinderspiessen und -ja, nochmal- diversen bieren plaudern wir bis ich muede bin und zuhause angekommen haben die anwesenden wahnsinnigen tatsechlich "vom winde verweht" eingelegt. auf franzoesisch ist die dramatik und die allgemeine panne dieses films noch weniger zu ertragen als auf englisch, also rolle ich mich sicherheitshalber gleich auf dem grossen wohnzimmerteppich zusammen und verleihe meiner ablehnung durch spontanen tiefschlaf ausdruck :)

Posted by mefia 12:40 Archived in Burkina Faso

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