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public health

43 °C

Es ist ein bisschen wie in der Jugendherberge hier.. :) Wie ueblich bei meiner tante sind immer ganz viele leute im haus, und im erdgeschoss befinden sich neben meinem noch weitere 3 zimmer, in denen neben meinem cousin tam-sir noch mein cousin "bébé", sowie die cousinen naima, madina und josie wohnen. Sie alle sind in etwa in meinem Alter, den ganzen tag stehen alle unsere tueren offen, und oft liegen wir abends zu mehreren in einem der zimmer auf dem bett und quatschen, toben, hoeren musik.
Vorgestern stand morgens wieder eine Tanzprobe im "Centre des Jeunes" auf dem Programm, und wieder gefielen mir die (zu diesem zeitpunkt im proberhythmus noch nicht immer ganz synchronen) Bewegungsablaeufe des équipes unheimlich gut. In meinem jugendlichen Leichtsinn und zur grossen Belustigung der richtigen Taenzer habe ich auch mal versucht ein bisschen mitzumachen - musste aber dann recht schnell feststellen, dass mein anfaenglicher Enthusiasmus angesichts einer Raumtemperatur jenseits der 40° C nun doch eher unangebracht war.. Uh, la chaleur.
Von der Probe aus hatte ich ein rendezvous mit dem schneider meiner tante vereinbart, und so fuhren wir mit dem chauffeur zum markt, um stoffe fuer neue kleider zu suchen. Gesucht, gefunden, und gefunden, und gefunden - konnte mich angesichts der wirklich traumhaften stoffe erst bremsen, als der schneider schon laengst nervoes mit den hufen scharrte und mich an meine doch nicht mehr *ganz* so ferne abreise erinnerte.
Der restliche Tag ging mit Familienbesuchen und spaeterem gemeinschaftlichen Lungern am und im haus recht schnell zu Ende.

Gestern hatte mein onkel fuer mich ueberraschend ein fruehes treffen mit einer befreundeten Gyn-Professorin vereinbart, und da Josie sie als ihre behandelnde aerztin kennt, wollte sie mich persoenlich zu ihr ins Hôpital central bringen. Also was vernuenftiges angezogen, und durch staub und hitze auf josie's klapperndem moto zum krankenhaus.. Zunaechst gestaltete sich die Suche nach Frau Prof. Thiéba aber schwieriger als erwartet, und die dienstbaren Geister des Krankenhauses in den diversen Tarnfarben ihrer jeweiligen Berufsgruppe schickten uns von Pontius zu Pilatus, um die Professorin zu finden. Schliesslich erfuhren wir von einem unwirschen aber muerrischen OP-Pfleger, dass sich die gesuchte Aerztin fuer unbestimmte Zeit im OP befinde, und er uns ans Herz lege, uns zu trollen. Um den Ausflug aber dennoch wenigstens lohnend zu machen, begaben wir uns zum trost auf einen ausgiebigen rundgang ueber das klinikumsgelaende.
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Der compound des krankenhauses ist sehr weitlaeufig, und es gibt neben den diversen fachgebieten und kliniken 2 kirchen und eine moschee, sowie ein krematorium und eine blutbank auf dem anwesen. Insgesamt befinden sich die gebaeude aber in einem doch eher fragwuerdigen zustand.
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Kaum waren wir nach unserem gut einstuendigen spaziergang in der mittagshitze schweissgebadet und erledigt wieder zuhause angekommen, rief Prof. Thiéba zurueck um mitzuteilen dass sie nun aus dem OP heraus und fuer die verabredung bereit sei. Also aller-retour in frischer klamotte, wieder auf das moto und schnell zurueck zum krankenhaus. dort erwischten wir die ueberraschend junge, hellwache und autoritaere Frau Professor gerade am ende ihrer consultations, ihrer Sprechstunde. Nach einer herzlichen Begruessung mit den besten Wuenschen an meinen onkel teilte sie uns mit dass sie sich auf dem Sprung befinde fuer ihre abreise nach Angola zu einem Kongress, und verwies uns an einen ihrer Kollegen, der uns bereitwillig das département der "materinté", der frauenklinik, zeigte. Die innere Struktur und Organisation insbesondere des OP- und Kreissaalbereichs aehneln der in der Unifrauenklinik in Accra. Im Vergleich zu ghana ist aber die Abteilung in einem zum teil atemberaubend katastrophalen Zustand, es mangelt wirklich an ALLEM und beim Durchlaufen der einzelnen Raeumlichkeiten schien es oft, als sei nicht mal ein Mindestmass an Hygiene zu gewaehrleisten unter den vorherrschenden Umstaenden. Feundlicherweise durfte ich mir als Ehrengast eine OP aussuchen, der ich beiwohnen wollte und entschied mich fuer eine gerade beginnende abdominale Hysterektomie.
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Das OP-Team bestand aus einem hiesigen und einem ghanaischen chirurgen, sowie einem weiteren Gastarzt aus Algerien. Insgesamt war man aufgeregt-erfreut ueber den unerwarteten Besuch und der Austausch war gleich freundlich und rege. Zum abschluss des insgesamt mehrstuendigen Rundgangs gab es eine Begehung der bettenstationen mit ihren zimmern verschiedener "kategorien", entsprechend der finanziellen mittel der patientin. insgesamt gibt es 4 zimmerkategorien, die hoechste ist ein 1- bis 2-bett-zimmer und kostet 4.000 francs CFA (umgerechnet ca. 6 €) pro Tag. Im gegensatz zu den public hospitals in Ghana wird hier das Essen zentral zubereitet und fuer die Patienten auf grossen Rollwagen direkt auf die Stationen gebracht. dort helfen schwestern und verwandte dann dabei, das essen fuer die patienten in deren mitgebrachte Schuesseln zu portionieren. Die versorgung mit medikamenten, infusionen und verbandmaterial ist allerdings genau so geregelt wie in ghana: der Arzt stellt ein rezept ueber die benoetigten medikamente aus, und die familie des angehoerigen besorgt diese in der hauseigenen apotheke. Falls ein patient keine familie hat oder die familie keine mittel... "Voilà..là, c'est compliqué..." sagt Dr. Maoudi kopfschuettelnd und setzt den rundgang fort. Obwohl ich public hospitals in tropischer Region gewoehnt bin und die oft improvisierten Umstaende kenne, war dieses Krankenhaus mit seiner ganz eigenen Realitaet doch nachhaltig beeindruckend muss ich sagen.
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Abends waren alle Jugendlichen des Hauses dann bei Tante Tiziana zum Essen eingeladen. Leichtsinnig hatte ich zugesagt und mich frohen Mutes fuer den abend vorbereitet, als klar wurde dass wir alle auf motos durch die stadt fahren wuerden.. Uargh. So ganz geheuer ist mir das ja nach wie vor nicht. Klar, fahrtwind, freiheit, jugend und so - aber selbst abends ist die luft noch so heiss und staubig, die strassen sind unuebersichtlich voll und dann ging es auch noch quer durch ein gesamtes quartier, in dem der strom (also auch die strassenbeleuchtung) ausgefallen war. Als wir nach einer halben stunde endlich bei tiziana ankamen, war ich bereits fix und fertig :) Die in ihrem ebenerdigen haus ueber den tag aufgestaute hitze und die durcheinander tobenden kinder, katzen, hunde, verwandten gaben mir dann gaenzlich den rest. So reichten lust und energie fuer den von Irène geplanten naechtlichen Absacker in einer bar in der naehe mit taenzernund musikern, die ich kennenlernen sollte, am ende einfach nicht mehr aus.

Posted by mefia 08:31 Archived in Burkina Faso

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