A Travellerspoint blog

Ouaga life

42 °C

Das haus erwacht sehr frueh zum leben jeden morgen, die waechter machen die autos sauber, die papageien im garten zirpen vor meinem fenster, zalissa tapert plappernd an meiner offenen zimmertuer vorbei, onkel jean-baptiste spaziert ueber den kiesweg zu seiner thunfischdose von einem auto, dass ihn -gott weiss wie- jeden tag sicher zur arbeit bringt.... zum fruehstueck gibt es frisches, warmes brot, dass madina aus dem ofen holt. ohnehin ist es bereits morgens so heiss, dass man nicht ruhig liegenbleiben kann, und weil mir auch das brot unter diesen umstaenden zu warm und zu viel ist, gibt es eben mano-eis zum fruehstueck.
gegen halb 9 nimmt irène mich mit ins buero, wo ich die frauen kennenlerne, die fuer sie die organisation und koordination ihrer diversen projekte uebernehmen. sie sind saemtlich sehr nett, sehr gebildet und beunruhigend frisch zu derart nachtschlafener zeit :) Auf dem weg ins buero haben wir zalissah in der vorschule abgesetzt, ein gut bewachter kleiner bau mit grossem spielplatz und eigener "buecherei", wo die kinder buecher mit wenig text und dicken seiten aus pappe ausleihen duerfen :)
endlich taucht auch tiziana auf, zalissas mutter und frau meines in paris verstorbenen onkels eddie, die ich ebenfalls seit paris nicht mehr gesehen hatte. die freue ist ebenso gross wie kurz, denn es gilt zeitnah meinen am flughafen deponierten pass mitsamt dem beantragten kurzvisum abzuholen.. Dort angekommen geht der ringelrein mit meinen lieblings-grenzlern in die zweite runde: na also dass ich KEINE franzoesin bin haette ich aber nun WIRKLICH vorher sagen muessen (nicht dass ich die spalte "nationalitaet" auf dem antragsformular nicht ausgefuellt haette..), also DAS konnte ja nun keiner ahnen... na und unter DEN umstaenden ist das bereits ausgestellte (!) visum natuerlich ungueltig und ueberhaupt... Die Begeisterung ist ganz mein, und nach einer hitzigen diskussion um meine nationalitaet ("auf dem formular STEHT doch, dass ich keine franzoesin bin!...ausserdem ist das doch ein DEUTSCHER pass!" "-aber Sie haben doch franzoesisch GESPROCHEN!" "??!??!!!" usw..) ist dann endlich auch der pass samt visum wieder in meinem besitz. Zum mittagessen fahren wir auf kleinen umwegen durch die stadt nach hause, und unterwegs rauschen die alten lieblingsplaetze meines vaters an mir vorbei. In seiner jugend hatte er hier oft die ferien verbracht, und so scheinen unzaehlige strassen, ecken, plaetze von alten erinnerungen gefaerbt, von denen tantie irène angeregt und begeistert erzaehlt. zum abschluss der stadtrundfahrt statten wir irènes mutter einen besuch ab, natuerlich ist sie nicht zu hause, dafuer aber in ihrer lieblingsbar anzutreffen, wo sie mit ihren freundinnen jeden mittag ein kuehles bier auf das leben trinkt :)
Ouagadougou ist, insbesondere im vergleich zu accra, sehr trocken und staubig, auch ist deutlich sichtbar dass burkina faso ein aermeres land als ghana ist. die gerueche und die handgemalten werbeplakate und strassenschilder erinnern mich sehr an zu hause, und doch ist das strassenbild ein ganz anderes. auch hier gibt es viel verkehr und entsprechend viel staub und smog, den grossteil des verkehrsaufkommens machen hier aber motorraeder und roller aus, auch fahrraeder sieht man hier recht oft. erstaunlich fuer mich: wirklich JEDER faehrt "moto", schicke damen in high heels, junge maenner mit halsbrecherischem fahrstil, dicke alte markt-mamas in traditionellem gewand, auch ist das moto ein transportvehikel das bis zur maximalen belastbarkeit seiner teile beladen wird.
Am nachmittag darf ich irène zu einer generalprobe ins "CDC" (centre de developpment choréographique) begleiten, wo ein befreundeter taenzer und choreograph ihr sein selbstkomponiertes solo kurz vor der erstauffuehrung nochmal zeigen moechte. das stueck ist minimalistisch, schwarze buehne mit grellrotem pfeiler in der mitte, ein haufen lehmsteine, der besagte taenzer und eine kleine drahtige saengerin aus abidjan, die dem ganzen spektakel mit ihrem kehligen, erdigen, sehnsuechtigen gesang einen fast beunruhigenden rahmen gibt. der taenzer, salia, tanzt sich in den kommenden 45 minuten ungeachtet seines etwas fortgeschrittenen alters buchstaeblich die seele aus dem leib, und die zerrissenheit und verzweiflung die er hervortanzt sind derart greifbar, dass es die grenzen des ertraeglichen mitunter nahezu sprengt. Am ende sind alle anwesenden begeistert, ueberwaeltigt, aufgewuehlt - und irgendwie fast froh, dass es vorbei ist.
Auf dem nachhauseweg halten wir an einem Centre de Musique, ein grosses areal mit bar, konzertbuehne und 3 kleinen separaten haeuschen, in denen sich jeweils erstaunlich gut ausgestattete proberaeume fuer lokale bands und musiker befinden. ebensolche sitzen bei diversen bieren und lautem gespraech im barbereich, und beim naeherkommen erkenne ich bill, den saenger und gitarristen der band die das anstehende spectacle meiner tante vertonen wird. es bleibt genau zeit fuer ein paar biere und amuesante anekdoten aus dem tour-leben der anwesenden musiker, die allesamt regelmaessig in europa unterwegs sind. dann ist es zeit fuer die musik, und so versammelt sich der trupp in einem der proberaeume. die musik bewegt sich hart an der grenze zwischen gehaltvoll-traditionell und haarstraeubend-poppig, aber irgendwie bewegt sie mich doch und es ist dann fast schade, als wir noch vor ende der probe wieder losmuessen. Aber ich soll ja noch tantie irènes restaurant besichtigen, das "wakatti", mit seiner grossen gartenanlage, dem kinderspielplatz und dem swimmingpool. bei rinderspiessen und -ja, nochmal- diversen bieren plaudern wir bis ich muede bin und zuhause angekommen haben die anwesenden wahnsinnigen tatsechlich "vom winde verweht" eingelegt. auf franzoesisch ist die dramatik und die allgemeine panne dieses films noch weniger zu ertragen als auf englisch, also rolle ich mich sicherheitshalber gleich auf dem grossen wohnzimmerteppich zusammen und verleihe meiner ablehnung durch spontanen tiefschlaf ausdruck :)

Posted by mefia 12:40 Archived in Burkina Faso Comments (0)

paris - bamako - ouagadougou

phew...WAS fuer ein trip. eine kalte, klamme nacht im bus nach paris..mit sack und pack verspannt und unausgeschlafen durch die metro, samt reiserucksack eingeklemmt zwischen mieslaunigen berufspendlern..endlich orly, endlich pause - dann die info der flug sei 6 std verspaetet :(
nerven liegen saemtlich blank, als es nach weiteren 6 std warten und erst AM GATE unmittelbar vor dem erhofften einstieg heisst, der flug sei auf den folgetag verschoben. also auschecken, passkontrolle, zurueck ins hotel..heulende kinder, ueberforderte touris, achselzuckende burkinabé: "ben oui, c'est ça voyager à l'africaine!"
irgendwann siegt die kapitulation angesichts der unbeeinflussbaren lage, und bakary, ein 30-jaehriger perkussionist aus ouaga, hat laengst seine neue gitarre ausgepackt..sein onkel lebt in mali und komponiert dort sehnsuechtig-warme musik, die bakary uns ja ohnehin gern noch zeigen wollte. also sitze ich, ein dickes blubberndes baby von einer mueden burkinabé auf dem arm neben ihm am boden und summe und singe, und langsam ist erstmals alles besser.
am spaeteren abend dann treffen mit hervé, dem stationsleiter von air burkina, der sehr quasselfreudig und angenehm ist, und angenehm sind natuerlich auch die diversen panachés, die die hotelbar hergibt zu spaeter stunde :)
morgens dann endlich doch der flug, und die zeit vergeht mit bakary neben mir, der aus seinem so anderen fernen fremden leben erzaehlt, erstaunlich schnell. zur grossen begeisterung aller beteiligten landen wir zunaechst in bamako. von mali habe ich schon lange getrauemt, und doch moechte ich jetzt schnell weiter, aufbrechen, nach ouagadougou, wo meine familie auf mich wartet..nach transit um umstieg sitze ich in einer kleinen maschine neben clément aus paris, den ich vom vortag kenne, und der nach einer traurigen liebesgeschichte nun seit 14 monaten unterwegs ist, alleine, quer durch die welt, und viel ueber seine reisen, die einsamkeit und die rueckkehr zum anfang erzaehlt. "...je me suis demandé: où est la vie? ...et je suis parti pour retrouver le bonheur.." .. vieles ueber mich und mein wesen scheint ihm direkt klar, nachdem er mich am vortag lange hat beobachten koennen, und ich bin erstaunt und erfreut ueber so viel offenheit und einblick von einem fremden. zum abschied in ouaga: "..tout est là, tout est possible.. sois heureuse!"
am flughafen in ouagadougou spiel und spass mit stoisch-tumben grenzpolizisten, die sich erst mit strengerem ton zur herausgabe der visa-application forms bewegen lassen. zum glueck habe ich die noetigen 2 passfotos dabei - um diese auf die richtige groesse zu bringen gibt es extra einen beamten, dessen aufgabe darin besteht, die eine und einzige schere zu betreuen und zu bedienen. pflichtbewusst macht er sich also daran, saemtliche einkassierte fotos um gefuehlte 0,8 mm zu korrigieren, damit sie auf dem unformatierten gruenen formular ihren korrekten platz finden. herzergreifend, diese ernsthaftigkeit und pflichtbewusste serioesitaet in der ausuebung dieser null-taetigkeit :)
schliesslich laesst man mich passieren, bakary und die anderen habe ich im gedraenge leider verloren, aber mein rucksack kommt sofort und schon hoere ich tantie irène hell und laut meinen namen rufen. und endlich ist sie da: gross, warm, wild, wie ueblich diverse dienstbare geister im gefolge.. es ist heiss, aber trocken, beim herausgehen aus dem flughafengebaeude schlaegt mir ein sandiger wind entgegen, und ich hatte es mir genau so und doch ganz anders vorgestellt. das klima ist anders als in ghana, auch die menschen sehen anders aus, laufen lachen sprechen anders..und doch ist es wie nach hause kommen angesichts der waerme, der bekannten gerueche, und tantie irène auf dem beifahrersitz, laut quasselnd an 2 verschiedenen telefonen, die sie aus ihrer riesigen tasche hervorgeholt hat.
statt nach hause fahren wir erst zu einem der diversen jugendzentren in ouaga, wo derzeit die proben fuer ein anstehendes spectacle de danse stattfinden. das zentrum ist ein flacher bau auf einer kleinen anhoehe, mit einem grossen vorplatz und vielen fluegeltueren, durch die etwas luft und licht in den raum stroemen kann. innen tanzen um die 50 junge maenner und frauen mit nackten fuessen zu lauter musik. verschwitzt und imposant toben sie in perfekter einheit in grossen gruppen quer durch die halle, und die choreografie laesst sofort irènes handschrift erkennen, modern aber mit roots, fantasievoll und vertraeumt, dann aber wieder wild und geladen. ich bin begeistert und froh hier zu sein. schliesslich sind die taenzer erschoepft und tantie entlaesst sie nach einem letzten durchgang nach draussen in den hof. dort werden getraenke aus einem grossen bottich geteilt, fuer uns gibt es brakara, eines der lokalen biere. die hitze und das bier legen einen weichzeichner ueber meine umwelt, und als schliesslich im hof holzbaenke zusammengetragen werden, habe ich nicht einmal mitbekommen, wofuer. alle taenzer und helfer des zentrums sitzen in grosser runde, die fluegeltueren des zentrums wurden geschlossen, um erst im letzten moment preiszugeben, was nun beginnt: eine gruppe von 5 jungen kongolesen mit schmalen, aber fast mannshohen trommeln stuermt ploetzlich aus den tueren und formiert sich auf dem hof. die rhythmen wechseln schnell, aber die jungs sind perfekt aufeinander abgestimmt und tanzen mit den seltsam grossen, am koerper festgebundenen trommeln zu ihrer eigenen musik nach einer fein komponierten choreografie. es ist eine wahre freude, und das publikum ist begeistert. am ende gibt es schallenden applaus fuer die stolz-erleichterten musiker, die sich mit diesem auftritt bei meiner tante um ein zukuenftiges engagement in einem ihrer spectacles bewerben wollten. wie sie mir auf dem rueckweg nach hause erzaehlt, sind die jungs aus dem kongo hierher gefluechtet, und versuchen nun hier ihr glueck und eine zukunft zu finden.
"zuhause", das ist ein grosses haus mit knallbunt gestrichener aussenmauer, in dessen garten neben 2 hunden und einer riesenschildkroete auch ein kleiner alligator und 2 pferde (!) leben. der streichelzoo bleibt ohne erklaerung, also konzentriere ich mich auf zalisa, meine kleine cousine, die inzwischen 3 jahre alt ist und vor 2 jahren in paris ja noch ein baby war..jetzt aber kommt sie in rosa unterhose mit unzaehligen kleinen zoepfen, auf staemmigen kleinen beinen auf uns zugerannt und ist sich nicht ganz sicher ob ich ihr eigentlich ganz geheuer bin :) nachdem sie mir die hitzepickel auf ihren armen gezeigt hat, rennt sie dann doch lieber zurueck ins haus, immer dicht gefolgt von den hunden, die sie (noch) ueberragen..
nachdem ich mein riesiges zimmer bezogen habe, kommt schon der erste besuch: eine prozession von dicken tanten laeuft im wohnzimmer ein, und ich habe angesichts ihrer herzlichen freude keine zeit mehr, ueberfordert zu sein: schon werde ich geherzt, gedrueckt, gekniffen und gemustert, und schliesslich erkenne ich auch irènes grosse schwester, die ich vor 2 jahren in paris kennengelernt hatte. stark und mutig hatte sie sich damals als knochenmark-spenderin fuer ihren todkranken bruder zur verfuegung gestellt, und maite und ich hatten ihr damals die taeglichen injektionen verabreicht...wie lange ist das her, und es ist uns beiden eine freude, uns jetzt hier wiederzusehen. schliesslich tauchen auch tam-sir und jean-baptiste auf, mein cousin und onkel, die ich seit paris nicht gesehen hatte. es gibt mango-eis und "flag"-bier und um 10 schlafe ich auf dem wohnzimmerboden ein.

Posted by mefia 07:37 Archived in Burkina Faso Comments (0)

trinidad, cienfuegos, topes de collantes

die letzten zwei tage war ich wieder unterwegs, diesmal ging die reise in den sueden des landes. zunaechst nach cienfuegos, einer kleinen stadt am meer, die (zumindest im renovierten, und sonntags komplett menschenleeren stadtzentrum) einer art open-air-museum gleichkam. es gab dort eigentlich nicht so viel zu sehen, ausser eben den wunderschoenen, in allen pastelltoenen gehaltenen alten haeusern. nach kurzem aufenthalt weiterfahrt nach trinidad, einer ebenfalls recht kleinen stadt, in der die zeit seit dem 19. jahrhundert stehen geblieben zu sein scheint. die strassen sind noch aus kleinen steinen zusammengepflastert, es gibt fast keine autos, und die haeuser sind noch genau so, wie sie waren als sie erstmals errichtet wurden. diese stadt ist klein, aber wunderschoen, und bei der besichtigung des museums, dass einrichtungsgegenstaende aus dem 18. und 19. jahrhundert aus den haeusern trinidads zeigt, kann man sich fast vorstellen, wie die menschen damals gelebt haben.
von trinidad aus geht die fahrt ueber eine steile strasse durch den regenwald hoch ins gebirge, zu einem kleinen hotel mitten in den bergen. von dort aus startet am naechsten tag mit alten russischen militaerlastern der noch steilere anstieg, tiefer in den wald hinein. wanderung von einer guten stunde immer tiefer in den regenwald, bald ist der anfangs noch angenehm breite weg nicht viel mehr als ein kleiner pfad durchs unterholz. schliesslich hoert man schon aus der ferne ein lautes rauschen - ein grosser wasserfall, sicherlich ueber 10 meter hoch und daher sehr imposant. noch ein kleines stueck weiter befindet sich ein kleinerer wasserfall, und hier bietet der guide an, man koenne die wanderung auch DURCH DEN FLUSS fortsetzen. gesagt, getan, nach einem beherzten sprung ins eiskalte wasser von einem knapp 2 meter hohen wasserfall aus, schwimmen, kraxeln, und klettern wir durch den fluss. das wasser ist ziemlich trueb, es ist sehr schwer, die steine zu erkennen und manchmal verschwindet man ploetzlich und unerwartet unter wasser, denn da wo man den fuss auf den naechsten felsen setzen wollte war dann doch nur ein tiefes loch :)
die strecke ist insgesamt knapp ueber 3 kilometer lang, und mehr als muehsam und anstrengend. die felsen unter wasser sind glitschig, es gibt stromschnellen, und oft muss man unter pflanzen und aesten hindurchtauchen. ich weiss nicht WAS mich geritten hat. am ende der schier endlosen tour dann ein finaler sprung von einem hohen wasserfall in ein tiefes natuerliches becken.
da ich im wasser meine schuhe verliere, restliche wanderung zum basis-camp durch den wald OHNE SCHUHE.
:-) life ist beautiful und ich bin todesmutig!
J

Posted by mefia 10:37 Archived in Cuba Comments (0)

pinar del rio und valle de vinales

von havanna aus hab ich eine reise in den westen der insel gemacht, in die stadt pinar del rio und in das vinales-tal. die landschaft hier ist wunderschoen, ganz flaches land mit tabak-plantagen, durchbrochen von runden weissen kalkstein-felsen, die aus der ferne aussehen wie elefantenruecken. im vinales-tal befindet sich ein ueberdimensionales kunstwerk, eine felswand, die mit urzeitlich anmutenden bildern von tieren und menschen auf der jagd bemalt wurde.
es folgte eine wanderung mit anschliessender bootsfahrt durch eine alte "indianer"hoehle, durch die ein kleiner fluss fuehrt.
wieder zurueck in havanna hab ich am letzten tag noch schnell einen ausflug zum revolutionsplatz und zum cemeterio del colon, mit ueber 800.000 graebern einem der groessten friedhoefe lateinamerikas. und auch wenn es vielleicht etwas perfide erscheinen mag, als tourist ausgerechnet einen friedhof zu besichtigen - er ist nicht nur riesengross (ueber 5 km2!!!!, mit ueber 2 mio. "bewohnern"), sondern er ist vor allem wunderschoen, denn alle grabmale und mausoleen sind aus weissem marmor, der in der sonne strahlt, mit alten runzeligen baeumen dazwischen. der beruehmte frontsaenger des buena vista social club, ibrahim ferrer, liegt hier begraben. in einer gasse kam ich an einem grab vorbei, dessen deckplatte zu meinem entsetzen aufgebrochen war, mit einem leeren loch darunter. auf panische nachfrage bei einem friedhofswaerter erfuhr ich dann aber, dass familien, die ins ausland auswandern, ihre toten einfach mitnehmen, und dass daher das eroeffnen eines grabes ein ganz normaler vorgang sei!! gewoehungsbeduerftig.

Posted by mefia 10:23 Archived in Cuba Comments (0)

noch mehr havanna :)

bin soeben wieder in meinem heimat-hotel in varadero angekommen. eigentlich war es ja mehr ein kurzes intermezzo in havanna und umgebung, aber die tage dort kommen mir wie anderthalb wochen vor, mir scheint als habe ich waehrend der gesamten ferien bisher nichts anderes gemacht, als durch die gassen von havannas altstadt zu streifen...insgesamt hab ich die tage in havanna sehr konsequent genutzt, und im wachen zustand glaube ich insgesamt keine 2,3 stunden in meinem zimmer verbracht. meine tage bestanden eigentlich aus ausgedehnten streifzuegen, fotografieren, und mich treiben lassen durch die strassen.zwischendurch hatte ich einen ziemlichen tiefpunkt erreicht, denn die batterien meiner kamera (ganz simple normale AA-batterien will ich da kurz hinzufuegen) waren leer, und auf meiner pirsch durch insgesamt 8 (!!!!!!!!!!) verschiedene fotolaeden und sonstigen groesseren geschaeften quer durch havanna habe ich auf einmal das mit der mangelwirtschaft etwas besser verstanden: "ja, man weiss nie - mal gibt es ganz viel, und mal gibt es ganz wenig!" - so die schulterzuckende erlaeuterung meines gastvaters dazu. nach einem gesamten nachmittag und einem unruhigen vormittag auf der suche bin ich dann am ende aber doch noch fuendig geworden, und konnte mich im anschluss auch foto-maessig wieder auf den weg machen. diese stadt ist so traumhaft schoen, mit einer fast unwirklich anmutenden kulisse aus glaenzenden oldtimern, verschieden stark verfallenen kolonialbauten und dem verblichenen glanz einer praechtigen alten stadt. es ist schwer, die schoenheit der stadt und ihrer bewohner, der strassen und vor allem der vielen kleinen dinge die es zu beobachten und zu entdecken gibt, in bilder oder in worte zu fassen. vor allem am spaeten nachmittag ist das licht so schoen, und da das hafenbecken auch in laufweite vom alten stadtkern ist, spuert man oft eine laue meeresbrise und den geruch von der see. ich hab mich insgesamt all die tage einfach treiben lassen, und nur wenigen monumenten und plaetzen bewusst nachgejagt - am faszinierendsten, schoensten und ergreifendsten waren fuer mich dabei besonders die kleinen szenen; heute morgen sassen zwei runzlige opas in einem hauseingang in meiner strasse auf den stufen und kicherten zusammen. man konnte genau sehen, dass sie schon seit jahrzehnten bekannt und befreundet sein muessen. schliesslich griff der eine der beiden zu seiner klarinette und spielte leise etwas, und der andere opa hat vertraeumt die augen geschlossen und geschmunzelt. das gute ist, dass ich hier ueberhaupt nich als touri auffalle, alle denken ausnahmslos, ich sei kubanerin (bis ich den mund aufmache! :-)) - so kann ich gut unbemerkt in der naehe von leuten stehen bleiben und sie beobachten, ohne dass sie auf mich aufmerksam werden und dadurch abgelenkt waeren. ich bedauere wirklich,dass ich kein teleobjektiv habe - diese strassen sind fuer portrait- und detailaufnahmen einfach wie gemacht!
nach meinem letzten eintrag am dienstag abend bin ich noch ein weilchen weitergeschlendert, und hab mich ein weilchen vor eine kathedrale auf eine marmorbank gesetzt. an der naechsten ecke im restaurant spielte eine kombo alter kubaner sehnsuechtige lieder, passend zum sonnenuntergang, und ein paar leute blieben spontan stehen und tanzten (ja!) auf dem buergersteig sehr langsam und anmutig zu der musik. als die musik zu ende war, bin ich grob in richtung "zuhause" aufgebrochen, entlang des prachtboulevards Prado, am Capitolio vorbei, eine exakte und nur etwas kleinere nachbildung des white house in washington. nach ein paar weiteren kurven bin ich dann irgendwie in eine etwas zwielichtige ecke geraten, so dass ich trozt einiger wahnsinns-einblicke in offene wohnzimmertueren, treppenhaeuser und hinterhoefe meine kamera doch lieber in der tasche gelassen hab. dann, nur ein paar strassenzuege weiter, ein kleines charmantes restaurant aus dem schon von weitem wieder live musik zu hoeren war. als die netten kellner, die vor der tuer den lauen abend genossen, mir dann auch noch bestaetigten, dass man hier das typische gegrillte schweinefleisch bekommen kann, hab ich mir schnell einen schoenen platz am fenster gesucht, und zu frischgepresstem mango-milchshake die traumhafte musik der hausband genossen. am ende des abends hatte ich nicht nur koestliche kreolische kueche genossen, sondern mich auch mit den (opa-) musikern angefreundet, die sich zum quasseln (mit haenden und fuessen, in einem sprach-mischmasch) zu mir gesetzt hatten, und durfte mir am ende des abends noch ein paar traurige boleros aussuchen, zu dem einer der opis mich zum tanz aufforderte. leider ging das aber nicht, denn den anderen band-opis fiel daraufhin ein, dass in dem naechsten lied doch auf jeden fall ganz dringend eine trompete vorkommen muss, und der tanz daher ausfallen soll :-))

am naechsten tag dann frueh los, quer durch die stadt, bin durch einen zufall in einem verfallenen ehemals chinesischen viertel gelandet, von dem ich garnicht wusste, dass es existiert, und wo ich einige ehemals herrschaftliche hotels gesehen habe, die nun nur noch ruinen sind - aber man kann sich den glanz vergangener tage gut vorstellen! am nachmittag habe ich das capitolio besichtigt, oben genanntes monument, in dem die weltweit drittgroesste statue (in einem raum) steht, eine 13 meter hohe bronze-statue einer frau, die ich faszinierend fand und auf die ich im vorhinein schon sehr gespannt war. zu ihren fuessen ist ein grosser diamant in den boden eingelassen, und das ist der nullpunkt, von dem aus in kuba alle entfernungen gemessen werden! :-)
pause mit lokalem malzbier in einer bar mit zwei FURCHTBAREN britinnen im bierduseligen flirt-modus mit der schon am hellichten tag nicht minder bierduseligen hausband. nach einem mittagessen mit angenehmer kubanischer musikeinlage gabs dann zum dessert haarstraeubende darbietungen einer der beiden ladies, die sich fuer ein (noch!) verkanntes operetten-talent hielt. einfach zum weinen, zum niederknien und um-gnade-bitten, aber die alte war einfach komplett schmerzfrei und traellerte munter weiter, immer schoen konsequent off-key. oh mann. die leude.

im anschluss nachmittags dann ein ausflug in die 'casa de la musica', ein kleines aber super sortiertes geschaeft, in dem es ausschliesslich lokal produzierte musik gibt. der verkaeufer war sehr nett und konnte genau so viel englisch wie ich spanisch, aber musik war ein sehr starker gemeinsamer nenner, und so haben wir knapp 2 stunden lang zusammen ueber die verschiedenen musikrichtungen und -stile kubas geplaudert und stapelweise cds durchgehoert. wunderbar! :)
zum abschluss am spaeten nachmittag dann eine stadtrundfahrt mit dem open-air doppeldeckerbus, bei der ich Juan, einen sehr netten ecuadorianer kennengelernt habe, der auch alleine reist. wir haben die meiste zeit franzoesich gesprochen, weil das dem spanischen naeher und fuer ihn daher einfacher war, ausserdem hat er mal ein austausch-jahr in belgien gemacht. das programm hat er dann aber abgebrochen und sein studium pausiert, um stattdessen lieber durch europa zu reisen. so smart! :-)
am abend haben wir uns am malecon wiedergetroffen, der hafenpromenade am kai, wo sich am abend hunderte paerchen und cliquen zum flanieren, plaudern, musizieren und knutschen treffen und wo man prima am wasser abhaengen kann. zum abendessen bin ich ins "jazz cafe" eingekehrt, ein bar/restaurant in der oberen etage einer galerie mit geschaeften und einer art gekachelten autospur, die sich im inneren des gebaeudes um das treppenhaus und die geschaefte nach oben schlaengelt. von den gut 13 kellnern in dem laden sprach genau ein halber gebrochen englisch, und ich war froh maite's mini-dictionary mitgenommen zu haben, auch wenn ich damit wie ein depp ueber der karte hing und die kellner sich etwas ueber mich bekichert haben :)) die band war der HAMMER, 8-koepfig samt saxophon und einem blasinstrument was ich noch nie gesehen hatte, einem gast-trommler aus china, und spielte einen mix aus son, salsa, jazz und african drumming. die leute haben getobt, und im nachhinein erzaehlte man mir, dass dies ein lokal sei, in dem die hiesige schickeria aus tv und film einkehrt abends :) nice.
nach dem essen hab ich mir einen mojito gegoennt, der in einem vertrauenerweckend kleinen glaeschen daherkam, mich dann aber ganz easy in einem schuss aus den socken gepfiffen hat. so hab ich dann am ende auch doch meinem impuls nachgegeben, und neben ein paar aelteren leuten zwischen den tischen getanzt :) aufgefordert wurde ich von einem drummer, der wohl in den 70ern mal gueldene zeiten in amerika hatte, und diesen sommer auch beim jazzfestival in tuebingen auftreten wird. leider hab ich seinen namen vergessen - dafier erinnere ich mich sehr lebhaft an seine trotz fortgeschrittenen alters ausgesprochen tanzmoves und seine gruendlich feuchte aussprache.

soviel heute. morgen mehr. :)

sonne, liebe, kuesse und so. von mir fuer euch, aus kuba!

  • J

Posted by mefia 15:49 Archived in Cuba Comments (0)

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